Durch Zufall bin ich letzte Woche auf Facebook auf die Fanpage von St. Poesie gestoßen. Richtig coole Sprüche, die auf „Typisch Hamburch“ nicht fehlen dürfen – war mein erster Gedanke. Heute freue ich mich sehr, dass ich Euch die Künstlerin höchst persönlich vorstellen darf. Wie die Idee zur Straßenpoesie entstand und wo Ihr die Sprüche finden könnt, verrät die Hamburger Deern (die gerne anonym bleiben möchte) Euch jetzt selbst.

Wer bist Du? Woher kommst Du? Seit wann bist Du in Hamburg?
Ich bin jemand mit sehr vielen Gedanken im Kopf. Und sehe jünger aus, als ich bin. Aber wenn man sich die St. Poesie Sticker ansieht, bekommt man glaube ich eine sehr gute Idee von meiner Persönlichkeit. Geboren wurde ich in der Nähe von Köln, bin aber seit 14 Jahren in der schönsten Stadt der Welt.

Was ist dein Beruf?
Da ist immer die Frage, was ist Beruf, was ist Berufung? Was ich derzeit mache: Ich arbeite für einen Online-Shop und kümmere mich dort um Social Media, Onlinemarketing, Bildbearbeitung, und alles was sonst so anfällt. Ansonsten arbeite ich natürlich viel an neuen Ideen für St. Poesie und genieße das Leben.

stpoesieWie ist die Idee zu „St. Poesie“ entstanden?
Die Sache mit St. Poesie entstand aus mehreren glücklichen Verkettungen. Ich war im Sommer 2013 viel im Karoviertel unterwegs, bin seit Jahren ein Fan von Hamburger Street Art und schlendere gerne durch unsere schönen Straßen und schau mir alles an. Und dann waren da all die Gedanken in meinem Kopf, die irgendwie rauswollten auf die Straße. Mir fiel auf, dass es zwar viele Künstler gibt, die sich durch Zeichnungen, Stencils und ähnliches ausdrücken, aber richtige Texte findet man ja doch eher selten auf den Wänden. Zusammen mit einer Freundin habe ich dann letzten Herbst meinen ersten „Stickerrun“ gemacht, und seitdem kann ich einfach nicht mehr aufhören.

An welchen Orten in Hamburg sind deine Aufkleber zu finden?
Das kann ich so gar nicht genau sagen. Natürlich hinterlasse ich meine Spuren besonders in meinem eigenen Viertel, also St. Pauli und allen Ecken, die so im Umkreis von 2 Kilometer liegen. Sternschanze, Karoviertel, Altona, manchmal auch in der Neustadt. Allerdings verschenke ich auch regelmäßig Sticker, wo die dann auftauchen, weiß ich natürlich nicht. Ich habe gehört, dass einige sogar mittlerweile den Weg nach Hessen gefunden haben. Mir ist persönlich immer ganz wichtig, dass ich nirgendwo Spuren hinterlasse, die dort nicht gewünscht werden. Ich will grundsätzlich niemandes Eigentum beschädigen, sondern Menschen glücklich machen und zum Nachdenken anregen.

stpoesieWelches ist dein Lieblings St. Poesie Spruch?
Ganz schwer zu beantworten – das ist in etwa so, als würde man Eltern auffordern zu sagen, welches ihr Lieblingskind ist. Aber natürlich habe ich einige Favoriten. „Du bist zu verrückt für Berlin, mein Kind, Du musst nach St. Pauli“ und „…läuft.“ sind so simpel und einfach, dass man es lieben muss. Von den neueren Sachen ist es wohl „Ich bin ungefähr so unsinkbar wie die Titanic.“

Neben den Aufklebern gibt es noch mehr „St. Poesie“-Produkte. Welche sind das?
Alles. Shirts und Gedöns nenne ich das ja immer. Das war ja auch eigentlich nicht der Plan, Geld verdienen wollte ich mit St. Poesie nie. Aber als ich dann eine Tasche hatte, mit dem „Zu verrückt“ Spruch, wurden die Schreie „habenwollen“ eben immer lauter. Also habe ich einen Spreadshirt-Shop eingerichtet, damit die Leute, die so etwas haben wollen, es auch bekommen können. Für den Verkauf von Stickern habe ich bisher noch keine gute Lösung gefunden, die verschenke ich lieber.

Was sind deine „Typisch Hamburch“-Tipps?
Naherholung: Hafen. Für mich Park Fiction / Gezi Park, immer wieder. Der Lattenplatz an der Feldstraße beim Knust. Riesenradfahren auf dem Dom. Und auch mal in der Sonne liegen im Alsterpark. Essen: Kleine Pause natürlich. Estancia Steaks, wenn’s mal schicker sein darf. Kaffee am liebsten beim Lieblings (Detlev-Bremer-Straße) oder Mothers Fine Coffee (Davidstraße). Shoppen: 99 Cubes in der Marktstraße. Der Rebelzer Shop im Gängeviertel, insbesondere die Buttomaten. Persönlicher Geheimtipp: Die Oldtimer-Tankstelle Brandshof.

Zum Schluss: Warum St. Pauli?
„St. Pauli die einzige Möglichkeit ist.“ Weil es ein Dorf ist, das sich am Wochenende in eine Großraumdisco verwandelt, weil der Input hier einfach grenzenlos ist. Weil Dinge passieren, weil Politik direkt vor der Haustür passiert. Weil es hier nicht möglich ist, Missstände zu ignorieren. Weil Menschen hierher kommen, und landen, einfach aufgenommen werden. Weil jeder so sein darf wie er will.