Mitten in der Neustadt von Hamburch findet Ihr ein kleines Fleckchen, das viele dort nicht erwarten. Ja genau, ich spreche von dem Gängeviertel. Nachdem ich mich gründlich umgehört habe, hat fast keiner meiner frisch zugezogenen Freunde etwas davon gehört. Doch auch für die eingefleischten Hamburger gehört das frühere Arbeitsviertel nicht zu den üblichen Places to be. Anders als in schicken Stadtteilen wie Eppendorf, seht ihr dem Viertel direkt an, wie kreativ und alternativ die Hamburger sind. Hier merkt ihr auf den ersten Blick, dass verschiedene Künstler schon ihre Spuren in Form von Street Art hinterlassen haben.

Das Gängeviertel ist ein beliebter Ort für verschiedenste Ausstellungen, Konzerte, Partys und Lesungen. Das zeigt, dass es so viel mehr ist als nur der historische Teil der Innenstadt oder ein Sozialprojekt. Was einst als Arbeiterviertel galt, steht heutzutage für einen Ort, an dem Raum für Kunst und soziale Projekte ist .

2009 gab es eine groß angelegte Demonstration gegen den geplanten Abriss der Häuser. Ein Vorhaben, das erfolgreich verhindert werden konnte. Zum Glück, wie ich finde. So ist uns die sogenannte Jupi Bar nach einer Renovierung immer noch erhalten. Das Denkmalgeschütze Jupi-Haus, welches reich an Stuck verziert ist, dient in den oberen Etagen als Wohnung- und Atelier-Raum. Liebevoll wird diese Bar von den Gängeviertler als „gemeinsames Wohnzimmer“ bezeichnet.

Diese Bar ist keine gewöhnliche Bar. Bestellt ihr am Tresen zum Beispiel ein kühles Bier, gibt es keine vorgeschriebenen Preise. Das Zahlprinzip der Gäste basiert sehr auf Vertrauen. Jeder kann selber entscheiden, wie viel einem das gewünschte Getränk wert ist und wie viel ihr dafür zahlen möchte. Als ich das zum ersten Mal live mitbekommen habe, war ich doch schon ziemlich verwirrt, was die Barkeeper mir auch sofort angemerkt haben. Jedoch wurde mir sofort sehr nett das Prinzip erklärt und das Personal hat mich beraten, welche Preise allgemein gezahlt werden. Beim nächsten Mal weiß ich es besser und falle nicht mehr als Neu-Hamburger auf.

Viele fragen sich jetzt bestimmt, wie sich die Jupi-Bar hält. So wie in jeder anderen Bar müssen sie doch die monatlichen Fixkosten decken. Da musste ich doch glatt mal nachfragen und mich informieren. 😊 So wie viele andere auch arbeiten die Barkeeper ehrenamtlich. Mir wurde das Prinzip wie folgt erklärt: Das Konzept kann nur funktionieren, wenn man nicht auf Profit aus ist.

Natürlich tritt auch ab und zu der Fall ein, dass der ein oder andere auf die Idee kommt, sich für sehr wenig Geld die doppelte Anzahl an Drinks zu bestellen. Dann gibt es einen freundlichen Hinweis von dem Barkeeper, ob man selber findet, dass das so angemessen sei.Ich als neu Zugezogene aus dem schönen München war sofort von dem Flair und den verschiedenen Street Art Werken angetan. Ich kann jedem raten mal einen Abstecher in das Gängeviertel zu unternehmen. Es gibt selten einen Ort, an dem wirklich jeder willkommen ist und ihr locker ins Gespräch kommt. Aber das Gängeviertel ist so ein Ort! 😊