Laut, heiß und bunt – darf ich Vorstellen: Eve Champagne.

Ich war bereits auf der Kiez-Tour mit der Burlesque Tänzerin Eve Champagne. Nach dem lustigen Abend haben wir uns dann nochmal in der Olivia Jones Bar getroffen. Was Eves schlüpfrigstes Geheimnis ist und wovor sie Angst hat? Sie hat es uns im Interview erzählt 🙂

Erzähle uns doch mal Eve…

… was war dein Traumberuf als du ein Kind warst?
Als ich noch ein Kind war, wollte ich immer Meeresbiologin werden.

Was war früher dein liebstes Schulfach?
Sport und Kunst.

Wann warst du das erste Mal auf der Reeperbahn?
Das war bei einem Junggesellenabschied von einem Freund meines 10 Jahre älteren Bruders. Da war ich auch zum ersten Mal in der Boutique Bizarre und hier auf St.Pauli.

Glaubst du an die große Liebe?
Ja, die habe ich auch gefunden.

Was war dein peinlichstes Erlebnis auf dem Kiez?
Ouh … das ist grenzwertig zu erzählen, aber ich mach es jetzt einfach mal.
Man kennt sich ja auf St, Pauli. Man kennt die Zuhälter, man kennt die Huren, die Obdachlosen und so weiter. Wir sind quasi wie eine eingeschworene Dorfgemeinschaft. Und ich kam eines Nachts ungeschminkt, so kennt mich hier ja niemand, und rotzenvoll aus einer Kneipe getaumelt. Auf dem Hans-Albers-Platz gibt es ja so eine Litfaßsäule, da stehen abends immer drei Huren rechts und drei Huren links und direkt an der Litfaßsäule steht ein Mülleimer. Ich bin dann also an den Huren vorbeigeturkelt und meint so: „Moin, gute Geschäfte!“. Alle haben mich dann abwertend von oben bis unten angeschaut und ich so: „ Scheiße Ihr erkennt mich nicht“. Und die erste dann: „Eve, bist das du?“ Und ich meinte dann: „Jo, aber ich bin rotzevoll.“ Und in dem Moment fang ich an so in diesen Mülleimer an der Litfaßsäule zu kotzen, während mir eine der Huren die Haare gehalten hat.
12 Stunden später hatte ich meine Kiez-Tour mit 35 Besuchern. Aufgestylt laufe ich über den Kiez und die ganzen Huren fangen an zu lachen. Und eine der Huren dann: „Na Eve, wieder nüchtern?“ Und die andere dann: „Ich hab dir noch die Haare gehalten.“
Das war der peinlichste Moment auf dem Kiez.

Warum ausgerechnet Burlesque?
Es ist eine Kunstform, in der ich alle meine Fantasien ausleben kann und dafür gefeiert werde. Burlesque ist für mich die einzige Kunstform in der ich feminin wirke, trotz meines burschikosen Auftretens. Also eigentlich ist es günstiger als ein Therapeut. Und für ne Stripperin wäre ich zu flachbrüstig und zu krass.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Leute zu unterhalten und bestimmte Reaktionen bei ihnen hervorzurufen. Egal ob es ein Lachen ist, Verwirrung oder Provokation.

Warum machst du heute den Job, den du heute machst?
Ich war als Teenager unglaublich hässlich und Mobbingopfer Nummer eins. Ich wollte aber immer auf die Bühne. Konnte aber weder singen noch tanzen, aber was ich immer konnte ist entertainen und so kam ich dann auf Burlesque. Ich wurde so auch Deutschlands erste Solo Burlesque Performerin und hab sozusagen die Szene hier begründet und jetzt ist es mein Lebenselixier. Burlesque ist Leidenschaft für mich und einfach nicht mehr wegzudenken.

Was sagt deine Familie zu deinem Job?
Meine Mama hatte Tränen in den Augen, weil ich endlich schöne Kleider trage. Ich wollte als Mädchen nämlich nie Lackschuhe oder Kleidchen tragen und meine Mama hat sich schon sorgen gemacht. Ich habe die ganze Zeit ja auch immer nur mit Autos gespielt. Und mein Daddy, der alte polnische Seemann, lehnt sich immer entspannt zurück und sagt dann ganz stolz: „Hab ich gemacht“. Beide sind auch öfter bei Auftritten dabei und unterstützen mich.

Was hältst du von Matrosen?
Ich habe definitiv ein Hang zu Männern in Uniform, weshalb ich seit 11 Jahren auch mit einem Polizisten zusammen bin.

Was ist dein Lieblingskleidungsstück?
Mhh … mein Lieblingskleidungsstück sind privat Skatersocken und ansonsten liebe ich High Heels so um die 12 cm und Korsetts.

Was hast du mehr: weibliche oder männliche Zuschauer? Welche sind die besseren Zuschauer?
Bei meinen Shows habe ich schon 70% Frauenanteil. Und das sind auch diejenigen, die mir die meisten beziehungsweise ausschließlich Komplimente machen. Während die Männer sich nicht trauen. Weil sie dann wie bei Dragqueens, diese Überfrau sehen und völlig verschüchtert mit Ihrem Bier in der Hand dastehen.

Was bewunderst du an Olivia Jones?
Ich bewundere an meiner Chefin Olivia Jones, dass sie seit über 25 Jahren im Geschäft ist. Sie hat nicht nur ein so einzigartiges Geschäftsmodell entwickelt, sondern auch die wundervollsten Künstler um sich versammelt, die mittlerweile auch zu einer Familie außerhalb des Rampenlichts geworden sind: zur Olivia Jones Künstlerfamilie. Es bedarf schon eines großen Talents, einen solchen Haufen von Exoten zusammenzuhalten und dann auch noch so eine Harmonie zu schaffen.

Wovor hast du Angst?
Ich hab keine Angst. Angst ist für mich nur eine körperliche Reaktion und nichts Reales. Ich habe vor nichts Angst, aber vor allem Respekt.

Wie bist du auf deinen Namen gekommen?
Evelin ist ja mein voller Name und in der Schule war ich Leiterin der Cafeteria und da nannten mich meine ganzen Kollegen immer Eve. Und Champagne ist von meinem richtigen Namen Chezpa abgeleitet. Champagner daher, da es der einzige Alkohol ist, der aus mir ein Mädchen macht. Ich bin eigentlich eine leidenschaftliche Biertrinkerin, aber sobald ich Champagner trinke, bekomme ich rote Wangen, zwirbele dann meine Haare um meinen Zeigefinger und kichere vor mich hin. Champagner ist einfach genau das Gegenteil von dem, was ich repräsentiere.

Tipps für alle, die mal mit Burlesque anfangen wollen?
Mein Tipp für alle die mit Burlesque anfangen wollen: Mädels wir sind alle schön!!! Wenn euch irgendetwas an eurem Körper nicht gefällt, dann bedeckt es oder schummelt. Wenn ihr einen schönen langen Hals habt, tragt ein großes Collier, wenn ihr kurze Beine habt, tragt hohe Schuhe. Und solltet ihr jemals auf die Bühne gehen wollen als Burlesque Performerin, dann denkt immer daran, Ihr seid wunderschön. Diese paar Minuten, die du auf der Bühne bist, musst du dir einreden, dass du das Salz der Erde bist. Das Publikum riecht es, feier dich selbst und dann wirst du gefeiert. Ich biete neuerdings auch Burlesque-Starter-Kurse in meinem Fitnessstudio an.

Bei welchen Dingen wirst auch du rot?
Es gibt sehr wenige Situationen, in denen ich rot werde. Ich kann zum Beispiel keinen inneren Monolog führen, ich erzähle eben laut, was ich denke und dann passiert es schon mal, dass Ich etwas sage, was ich nicht hätte sagen sollen. Wenn mir jemand sympathisch ist, kann es schnell passieren, dass ich das Schamgefühl meines Gegenübers verletzte und das lässt mich dann erröten.

Was ist dein schlüpfrigstes Geheimnis?
Mein schlüpfrigstes Geheimnis ist, dass ich letztens meine erste Prostatamassage einem Typen verpasst habe. Und nur so nebenbei, eine Prostata fühlt sich sehr viel anders an, als ich gedacht habe.

Auf was könntest du in deinem Leben nicht verzichten?
Auf Ehrlichkeit, Freundschaft und Loyalität. Und natürlich Bier und Fleisch.

Wer ist dein größtes Vorbild und Warum?
Dita Von Teese, weil sie so unfassbar feminin ist und so unfassbar diszipliniert, was für mich einfach unmöglich zu erreichen ist. Und auch Dwayne „the Rock“ Johnson, weil ich gerne er wäre. Obwohl ich auch gerne mal mit Ihm in die Kiste springen würde. Ne gute Transe würde der Typ aber auch abgeben, der hat so ein schönes feminines Gesicht.

Hamburg, meine Perle

Was macht dich zum echten Hamburger?
Das ist der erste Moment, als ich nach St.Pauli kam und sofort angenommen wurde. Obwohl ich ein lautes und grelles Auftreten habe, war ich hier unauffällig.

Deine 3 Lieblingsorte in Hamburg?
Die Boulderhalle Flash in Bahrenfeld, weil ich sehr gerne Boulder. Dann natürlich der Elbstrand Övelgönne, egal ob grille, Lagerfeuer oder spazieren. Und als letztes Olivias Showclub auf der Großen Freiheit. Nicht nur weil ich da arbeite, sondern auch, weil ich da mit meinen besten Freundinnen abhänge und arbeite.

Die beste Bar und der beste Club?
Olivias Wilde Jungs, weil ich einfach auf den Menstrip stehe! Und die sind alle hetero, glaubt mir, ich weiß es. Und ansonsten ist meine Lieblingskneipe das Roschinski. Ich hab zwar keine Ahnung wie ich da reingekommen bin, aber ich zahl immer noch Personalpreis, obwohl ich da nie gearbeitet habe.

Das verbindest du mit Hamburg?
Die Nähe zum Wasser, dieses Maritime Flair und diese absolute Toleranz und Offenheit. Und was ich besonders Liebe ist, dass du in eine Kneipe gehen kannst, in der du den hanseatischen Kaufmannssohn im Poloshirt neben einer Dragqueen sitzen hast.

Typisch Hamburch ist für dich…

…Typisch Hamburch ist für mich dieser wundervolle Dialekt. Das typische Moin Moin, das Jo und das Oha. Und natürlich diese Offenheit, dass jeder mit jedem und überhaupt.

Wen sollte ich für Typisch Hamburch noch unbedingt interviewen?
Andre Kramer, der mit dem Edeka Schild. Ich bin ja selber auch viel im BDSM, im Fetisch Bereich unterwegs und er hat ein Standup Komedie Programm dazu. Der ist auch St.Paulianer und wohnt hier, einfach ein großartiger Mensch. Wen ihr aber auch unbedingt Interviewen müsstet, wäre Don Clark. Mein absoluter Lieblingskomedian, der im „Schmidt“ eine Shows hat, der ist so unfassbar lustig.

Was gibst du unseren Lesern mit auf den Weg?
Ich möchte euch gerne mit auf den Weg geben, Leute ich habe zwar kleine Titten, das heißt je mehr ich ausziehe, desto kleiner werden sie, aber sie werden euch alle entertainen.
Es gibt wundervolle Perlen in dieser Stadt, geht einfach mal jedes Mal, wenn Ihr loszieht irgendwo lang, wo Ihr noch nie wart.

P.S. Nach dem Interview ging es dann noch weiter ins Stripzelt auf 1, 2,3… Drinks.

Wer von euch mal bei einer von Eve’s fantastischen Kiez-Touren dabei sein möchte,hier kommt Ihr zu unserem Beitrag zur Tour.